Hühnereier - das große Sterben

Während unsere Vorfahren gelegentlich ein Vogelei aßen, konsumiert der moderne Mensch so viele Eier, dass allein in Deutschland jährlich ca. 45 Millionen Tiere zur ständigen Eiablage gehalten werden. Fast keinem dieser Tiere wird annähernd die Gelegenheit gegeben, seine natürlichen Verhaltensweisen auszuleben. Ein Ei kann man als externe Gebärmutter bezeichnen, denn seiner eigentlichen Bestimmung nach wäre das Ei befruchtet, es würde von einer Henne bebrütet und ein Küken würde darin heranwachsen. In der Natur legen Hühner nur wenige Eier im Jahr, um sich fortzupflanzen. Wird ihnen ein Teil ihres Geleges geraubt, z.B. durch Fressfeinde, ersetzt die Henne das Ei. Moderne Hennen sind darauf gezüchtet, jeden Tag ein Ei zu legen, ob sie wollen oder nicht. Diese abnorme Legeleistung zehrt die Körper der Hennen aus: Nach 15-18 Monaten endet ihr Leben im Schlachthof. In langen Reihen an den Füßen aufgehängt, werden sie durch ein Strombad gezogen, das sie betäuben soll, bevor ihnen der Hals aufgeschnitten wird.


Hühner in Legebatterie  

Männliche Küken leben meist nicht länger als einen Tag. In riesigen Brutschränken geschlüpft, wird der Hühnernachwuchs auf ein Fließband gesetzt und nach Geschlecht sortiert. Männliche Küken sind naturgemäß nicht zum Eierlegen zu gebrauchen und würden als Masthähnchen nicht schnell genug Fleisch ansetzen wie ihre extra dafür gezüchteten Artgenossen. Sie werden bei lebendigem Leib zerquetscht, vergast oder zerschreddert. Küken, die zu spät schlüpfen, nachdem die Sortierer ihre Arbeit bereits beendet haben, werden dann ebenfalls vernichtet, egal ob männlich oder weiblich. 45 Millionen Küken enden so jedes Jahr allein in Deutschland. Bis sie groß genug für die Eierproduktion sind, verbringen die Küken eine Zeit in Aufzuchtanlagen, in Käfige gesperrt oder zu Tausenden in riesigen Hallen gehalten, wo sie rund 20 Wochen bleiben.

Die grausamen Bilder aus Legebatterien sind vielen Menschen bekannt, aber auch die so genannten alternativen Haltungsformen sind nicht das Gelbe vom Ei. Ob nun Boden- Freiland- oder Biohaltung: Der Tod im Schlachthof bleibt auch hier keinem Huhn erspart. Auch die Sterblichkeit aufgrund von Stress, Enge, Krankheiten und unnatürlich hoher  Eierproduktion schon während der Legeperiode ist für alle Haltungsformen ähnlich: sie liegt bei 10-11%. Im Folgenden sollen die verschiedenen Arten der Hühnerhaltung kurz beschrieben werden:

Kleingruppenhaltung: die neue Legebatterie: Auch der hübsche Name der Neuauflage der Legebatterien ändert nichts: es handelt sich um eine Käfighaltung in enormer Enge. Die Hennen leben auf 800 Quadratzentimetern pro Huhn (ein Bruchteil mehr als die Fläche eines DINA4-Blattes) in Gruppen dicht gedrängt in Drahtkäfigen (min. 2,5 qm) auf Gitterrosten. Durch die Enge leiden sie unter erheblichem Stress; gegenseitiges Picken und Kannibalismus sind die Folge. Die Tiere leiden unter erheblichem Stress; gegenseitiges Picken und Kannibalismus sind die Folge. Die Käfige mit einer Höhe von max. 60 Zentimetern werden in fensterlosen Hallen übereinander gestapelt und versprechen maximalen Profit für die Eierproduzenten.

Bodenhaltung: Bei der Bodenhaltung leben die Hennen zu mehreren Tausend in großen Hallen. Die Tiere sind durch zu viele Artgenossen völlig überfordert; Federpicken, Kannibalismus und andere Verhaltensstörungen sind an der Tagesordnung. Durch das Gedränge ausgelöster Stress und durch die enorme Legeleistung hervorgerufene Eileiterentzündungen sind häufige Todesursache für viele Hühner, die in der Bodenhaltung sterben. Um die Verletzungsgefahr zu mindern, wird den Hühnern oftmals die empfindliche Schnabelspitze abgetrennt. Werden die Hennen in Bodenhaltung mit mehreren Ebenen gehalten, liegt die Besatzdichte bei 18 Hennen pro Quadratmeter.

Freilandhaltung: Den Hühnern steht tagsüber ein Auslauf ins Freie zur Verfügung (vier qm pro Huhn). Oft finden die Hühner aufgrund der hohen Besatzdichte den Ausgang aus den Hallen erst gar nicht oder können die unstrukturierten Ausläufe nicht nutzen und „trauen sich nicht vor die Tür“ – oder die Türen zu den Ausläufen bleiben z.B. an Wochenenden verschlossen.  Die Bedingungen im Stall entsprechen der Bodenhaltung. Es gibt immer mehr Großbetriebe mit Zehntausenden von Hühnern, was zu erheblichen sozialen Konflikten unter den Hennen führt.

Ökologische Haltung: In Hallen mit mehreren Etagen (die Regel) werden 12 Hennen pro qm, sonst 6 Hennen pro qm gehalten. Maximale Gruppengröße: 3.000 Legehennen. Stallbedingungen wie Bodenhaltung und Auslauf wie Freilandhaltung. Ausschließlich ökologisch erzeugtes Futter aus gentechnisch unveränderten Erzeugnissen darf verwendet werden. Es gibt immer mehr Großbetriebe mit mehreren Zehntausend Tieren. Auch in dieser Haltung sind die Hennen nur Produktionsmaschinen: sie werden eingesperrt, ihre männlichen Geschwister am ersten Lebenstag getötet und endet, nachdem sie unrentabel werden, im gleichen, grausamen Schlachthof wie die Artgenossinnen aus der konventionellen Haltung.

Eier sind ein idealer Nährboden für Bakterien. Besonders die Infektion mit Salmonellen kommt häufig vor. Die durch sie entstehenden Lebensmittelvergiftungen werden durch die grippeähnlichen Symptome selten als solche entdeckt. Schon beim Aufschlagen der Eier können Bakterien von der Schalenoberfläche in die Eimasse gelangen. Speisen mit rohem Ei gehören nicht umsonst zu den äußerst sensiblen Lebensmitteln. Zu den häufigen Nahrungsmittelallergien gehört die Unverträglichkeit von Eiern und Eierzeugnissen, die in unterschiedlichen Bereichen eingesetzt werden. Eierzeugnisse wie Voll-, Flüssig-, Trockenei, Ei-Eiweiß (Eiklar), Eigelb (Dotter), Ei-Albumin und Lecithin finden sich in vielen verschiedenen Produkten.

 

Wissenswertes

Außer zu einem "echten Frühstücksei" gibt es für alle Ei-Einsätze pflanzliche Alternativen:

Ei zum Binden: Je nach Gericht gibt es mehrere Möglichkeiten, Eier als Bindemittel zu ersetzen:

  • 1 geh. EL Sojamehl
  • oder 1 EL Tomatenmark
  • oder ½ Banane
  • oder 3 EL Apfelmus
  • oder ¼ Tasse pürierter Tofu
  • oder Pfeilwurzmehl, Kartoffelmehl, Mais- oder Kartoffelstärke
  • oder Mondamin/Maizena
  • oder Ei-Ersatz, erhältlich im Reformhaus oder Bioladen

Ei zum Treiben: Je nach Gericht können Sie zwischen verschiedenen Alternativen wählen:

  • 1 gehäufter EL Sojamehl und 1 EL Wasser, mit dem Schneebesen geschlagen (in Kuchen, Pfannkuchen)
  • oder Sojamilch oder Mineralwasser
  • oder 1 EL Leinsamen mahlen (oder 2 ½ EL gemahlene) und 3 EL Wasser, mit dem Schneebesen geschlagen
  • oder ½ Banane (oder 3 EL Apfelmus; oder 2 EL Mehl, 2 EL Wasser und 1 ½ TL Öl ) mit ½ TL Backpulver
  • oder einen Teil des Mehls durch Kartoffelmehl ersetzen (in Backwaren)
  • oder Ei-Ersatz (z.B. „3 Pauly“), erhältlich im Reformhaus oder Bioladen

Die Alternativen

Alternativen zu Eierprodukten finden Sie unter "Tierisch gute Alternativen" und bei unseren Produkttipps.

 

Weitere Informationen zu diesem Thema:
  Hintergrundtext: Eier
  Rezept: Rührei ohne Ei
  Rezept: Erdbeer-Pudding-Kuchen ohne Ei