Kranke Tiere, kranke Menschen

Tödliche Viren

Viele Asiaten hätten mit Sicherheit auf das Essen der als Delikatessen geschätzten Schleichkatzen verzichtet, wenn sie gewusst hätten, sich damit tödlich mit SARS zu infizieren. Von Hongkong aus reiste SARS zügig um die Welt und wurde zur globalen Gefahr. Die SARS-Nachfolger ließen nicht lange auf sich warten: Vogelgrippe in Gestalt von H5N1 und ein neues Influenza-A-Virus in Form der Schweinegrippe. Wissenschaftlern zufolge haben wir auch das dramatischste Virus aller Zeit dem unstillbaren Hunger nach Fleisch zu verdanken:  die Erstinfektion eines Menschen mit HIV soll beim Schlachten eines infizierten Affen stattgefunden haben.

BSE und Creutzfeld-Jacob

Die Seuche BSE forderte viele Millionen getötete Rinder und bis heute Todesopfer in der Bevölkerung. BSE ist aus den Schlagzeilen, die Bilder brennender Kadaverberge aus den Köpfen der Verbraucher. Seuchen, die für den Menschen meist keine unmittelbare Gefahr darstellen wie Maul- und Klauenseuche, Newcastle Disease und Schweinepest führen weltweit zur Vernichtung großer Tierbestände unfassbaren Ausmaßes - was allerdings kaum zur Kenntnis genommen wird, „weil es uns Menschen nicht betrifft“. Auch BSE betraf uns lange nicht – bis man den Zusammenhang zwischen den kranken Rindern und den an Creutzfeld-Jacob erkrankten und gestorbenen Menschen erkannte.

Lebensmittelbedingte Infektionen

Die Zahl lebensmittelbedingter Infektionen hat in den letzten Jahren dramatisch zugenommen. In Deutschland geht man von etwa 1 Million Fällen infektiöser Magen-Darm-Erkrankungen jährlich aus. Hierbei spielen die Übertragungen von Tierkrankheiten vor allem durch Fleisch und Milch von Tieren auf den Menschen – die Zoonosen - eine große Rolle. Eigentlich nur in den Därmen von Tieren vorkommende Mikroben wie Viren, Bakterien, Parasiten und die von ihnen gebildeten Toxine finden den Weg über tierische Produkte in den Menschen – zum Beispiel, weil beim Schlachten das Fleisch der Tiere mit deren Darminhalt kontaminiert wird.

„Wenn wir Tiere so halten – und das tun wir flächendeckend – dann müssen wir uns nicht wundern, dass sie krank werden.“

 
Schweinemast

Campylobacteriose: der Spitzenreiter bakterieller Zoonosen

Das Bakterium Campylobacter, in den Därmen von Hühnern und anderen Tieren Zuhause, ist mit fast 63.000 beim Menschen registrierten Krankeitsfällen (Deutschland 2009) Spitzenreiter unter den Auslösern „lebensmittelbedingter“ zoonotischer Infektionen. Experten der EFSA gehen von 9 Millionen Fällen EU-weit jährlich aus, die mit Fieber, Bauchkrämpfen, schweren Durchfällen und teils komplizierten Krankheitsverläufe einhergehen. Im Rahmen des „Zoonosen-Monitorings“ fand man in 47 % des Hühnerfleischs Campylobacter, Putenfleisch war zu 19,5 % kontaminiert. Auch in Kalbfleisch, Tankmilchproben und Schweinefleisch ist das krankmachende Bakterium heimisch.

Salmonellose: „Top 2“ lebensmittelbedingter Darmerkrankungen

Das Bakterium Salmonella, ebenfalls Darmbewohner von Vögeln und anderen Tieren, verursachte im Jahr 2009 bei runden 31.400 Menschen in Deutschland eine Salmonellose mit Fieber, Durchfall, Bauchkrämpfen und schlimmstenfalls lebensbedrohlichen Infektionen. Übertragen werden Salmonellen hauptsächlich durch Fleisch und Eier: 2009 waren 7,5% der Hähnchenfleischproben aus dem Einzelhandel Salmonella-positiv. Bei Legehennen lag die Nachweisrate von Salmonellen bei 4,8%. Bedeutet, dass soeben eine Millionen deutscher Salmonellen-Hennen ebensolche Eier legen.

Montezumas Rache: Escherichia coli

Bakterien der Gattung Escherichia coli, kurz E.coli genannt, sind für ihre darmpathogene Wirkung beim Menschen bekannt. Manche Stämme besitzen die Fähigkeit, gefährliche Toxine zu bilden – mit teilweise tödlicher Wirkung. E.coli ist bei Wiederkäuern wie Rindern, Schafen, Ziegen verbreitet, aber auch bei Schweinen sowie in Wildfleisch wurden vermehrt toxinbildende E.coli festgestellt. Hauptinfektionsrisiko des Menschen sind Rindfleisch, Rohmilch und Rohmilch-Käse sowie Schweinefleisch. E.coli gelangt durch direkten oder indirekten Kontakt auf andere Lebensmittel: durch Gülle und Kot, verunreinigtes Wasser oder durch Menschen. Die weitere Verbreitung scheint „unvermeidbar“: selbst  Biogasanlagen verlässt E.coli unbeschadet.

Morbus Crohn durch Milch

Nach einem Jahrhundert des „Verdachtes“ bestätigen Wissenschaftler den engen Zusammenhang zwischen der durch das Mycobacterium avium paratuberculosis MAP verursachten, bei Rindern vorkommenden Erkrankung Paratuberkulose und der Darmerkrankung Morbus Crohn beim Menschen. 150.000 bis 200.000 Menschen in Deutschland leiden unter dieser entzündlichen Erkrankung des Verdauungstraktes. Bei Untersuchungen von Milch fand man in einem Drittel aller Proben den Erreger der Paratuberkulose. Geschätzte 10-15% aller deutschen Rinder sind infiziert. MAP verbreitet sich mit unabsehbaren Folgen weiter: in Rinderbeständen, durch Milch und Fleisch der Tiere. In Gülle, auf Feldern und im Wasser überlebt es unbeschadet monatelang.

Vogelgrippe: pathogenes Seuchenmanagement

Experten warnen davor, dass die Vogelgrippe die gesamte Menschheit bedroht. Das Virus kann durch nicht vollständig durchgegartes Fleisch oder Eier übertragen werden. Den Verbraucher wiegt man durch großflächige Geflügel-Keulungsaktionen in Sicherheit. Auch bei niedrig pathogenen Influenzaviren wird „gekeult“: sie könnten in den Geflügelställen oder auf dem Weg über die Schweinebestände zum Menschen zu hoch pathogenen mutieren. Während die Tiere „unschädlich vernichtet“ werden, gelangen ihre virushaltigen Ausscheidungen als Dünger in die Landschaft. Dass die Viren so den kurzen Weg zurück in die Tierbestände schaffen, daran kann kaum gezweifelt werden.

Dioxin in Eiern und Fleisch - Kontrollen versagen

Wie sicher der Verzehr tierischer Produkte ist, müssen wir immer öfter erkennen. Zwischen Vogel- und Schweinegrippe, EHEC und Campylobacter jagt ein Gammelfleischskandal den nächsten, immer wieder Salmonellen in Geflügelfleisch und Eiern, Dioxin im Frühstücksei und im Schweinefutter. Kontrollen versagen, Gefahr wird verschwiegen: all diese Skandale kommen erst in die Schlagzeilen, nachdem Unmengen verseuchte Lebensmittel in den Handel gelangten und konsumiert wurden.

Massenmord mit Steuergeldern

Virushaltiger Mist in freier Wildbahn, Vogelgrippehähnchen in der Tiefkühltruhe: vor allem dort lassen sich Viren hervorragend für Monate und Jahre konservieren, ohne ihre Pathogenität zu verlieren. Alltäglich werden Ställe wegen Seuchen geräumt, Millionen Tiere „vernichtet“. Dort geht die Massentierhaltung kurz danach weiter. Der gefährdete Verbraucher wird nicht nur finanziell zur Kasse  gebeten für die ethisch durch nichts zu rechtfertigenden Massentötungen, sondern zahlt auch mit seiner Gesundheit: die Wahrscheinlichkeit, dass jemand, der Fleisch isst, kranke Tiere isst, die auch ihn krank machen, wird mit nahezu 100% angegeben.